Dem Würth sein Boot

2009 März 28

Ich las soeben einen Artikel auf Spiegel Online, der mir zu denken gab:

Wenig Gespür für die Stimmung: Seinen Beschäftigten verordnet Reinhold Würth Kurzarbeit und Lohnkürzungen. Bei sich selbst spart der schwäbische Unternehmer nach SPIEGEL-Informationen allerdings nicht – er weihte gerade seine neue Luxusyacht ein.

Hamburg – Einmal mehr beweist der schwäbische Unternehmer Reinhold Würth mangelndes Fingerspitzengefühl: Zwar verordnete der milliardenschwere Schraubenhändler insgesamt 1250 seiner deutschlandweit rund 5000 Beschäftigten vom 1. April an Kurzarbeit und Gehaltskürzungen von 15 Prozent. Gleichzeitig gönnt sich der vorbestrafte Steuersünder nach Informationen des SPIEGEL aber eine neue Super-Yacht namens „Vibrant Curiosity“. [SpOn Link]

Ich hätte nicht gedacht, dass Spiegel Online auf den fahrenden Zug linker Antikapitalismus-Propaganda aufspringt und stumpfe „Die-Da-Oben“-Polemik betreibt. 

Was mich ärgert, ist die Einseitigkeit der Berichterstattung. Einem wie Würth ist es zu verdanken, dass es die 4.993 Arbeitsplätze der Firmengruppe (Zahlen 2007) überhaupt gibt. Macher wie Würth haben teilweise enorme Risiken auf sich genommen, um Imperien zu erschaffen, die einen substantiellen Beitrag zur deutschen Bruttoinlandsprodukt leisten und Tausenden von Familien eine Lebensgrundlage verschaffen. Die nicht vorhandene Wertschätzung der Deutschen gegenüber Leistungsträgern ist beschämend. Dass sich einer wie Würth nach einem arbeitsreichen Leben „etwas gönnt“, ist IMHO vollkommen akzeptabel und verständlich. 

Was den Zeitpunkt anbetrifft: natürlich ist Würths Yachttaufe zum jetzigen Moment ungeschickt (obwohl die Yacht wahrscheinlich bereits vor über drei Jahren in Auftrag gegeben wurde –>Interessant/Seite 2, rechts). Unterstellt man Würth eine gewisse Unverfrorenheit, so sehe ich diese aber NUR gegenüber seinen Mitarbeitern als gegeben, die nun mit Kurzarbeit und Gehaltskürzungen leben müssen. Einen presseinduzierten, öffentlichen Aufschrei fände ich dagegen schlicht populistisch. 

 

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Denn hier ist die Einseitigkeit in der Berichterstattung besonders gut erkennbar. Und das ärgert mich: wie soll die Wirtschaft denn bitte wieder auf die Beine kommen, wenn nicht konsumiert wird? Hat sich der Spiegel eigentlich mal gefragt, wieviele Arbeitsplätze durch den Bau von Yachten geschaffen bzw. erhalten werden? Die Triebwerke, die laut des Artikels von der deutschen MTU stammen, werden in Friedrichshafen konzipiert und montiert. Ein Yacht in Wert von ca. 100 Mio. Euro ist ein Investition von gewisser Größenordnung. Es ist doch am Ende vollkommen egal, zu welchem Zweck sie getätigt wurde. Entscheidend ist, dass momentan überhaupt investiert wird. Nur so kommt die Wirtschaft wieder ins Rollen. Entweder verstehen das manche Journalisten nicht oder sie bedienen die guten alten linken Vorurteile, die dazu führen, dass irgendwann niemand mehr Lust hat, sich als Unternehmer in einem Land zu behaupten, in dem man für Leistungsbereitschaft verachtet wird.

Der Spiegel
Das Boot
Der Würth

[Hier  noch ein sehr ähnlicher Beitrag zu dem Thema (Blog: Freunde der offenen Gesellschaft)]

  1. 2009 März 28
    menz Permalink

    recht hat der Herr Würth, es ist auch schon etwas älter und er sollte seinen lebensalter leben, und nicht es an Vater Stadt verschenken.

  2. 2009 März 29
    Georg Valentin Schmeding Permalink

    Es ist schon erstaunlich, wie beim SPON die Neiddebatte erneut zum Ausdruck kommt.
    Nach meinem Kenntnisstand ist Adolf Würth schon seit Jahren quasi Privatmann und hatte das Schiff – es ist ein richtiges Schiff! – schon seit Jahren geplant und bei der holländischen Werft in Auftrag gegeben.
    Ich gehe davon aus, dass diese monströse Anschaffung mit dem Würth Konzern überhaupt nichts zu tun hat, sondern ausschließlich Privatangelegenheit dieses früheren Ausnahmeunternehmers ist, der sich sein Vermögen in mehr als 50 Jahren harter Arbeit verdient hat.
    Man sollte doch froh sein, dass Leute wie A.W. nicht wie Dagobert Duck die Millionen im Keller horten, sondern ausgeben und damit nicht unwesentlich zum Funktionieren unserer Marktwirtschaft beitragen.
    Nur schade dass er mit der „Vibrant Curisosity“ nicht mehr den Rhein hochfahren kann, dafür dürfte das Monster dann wohl doch zu groß sein.

    • 2009 März 29
      menz Permalink

      jepp Du hast recht, aber eine Hochseejacht auf den Rhein naja das geht bestimmt nicht.

  3. 2009 März 29
    Günther S. Permalink

    Die öffentlichen Reaktionen auf die Bootstaufe sind in der Tat bescheuert.

    Was hat denn bitte Würths Privatvermögen mit Gehaltskürzungen und Kurzarbeit zu tun? Es ist vollkommen richtig und sinnvoll, dass ein Unternehmen eigenständig finanziert ist. Arbeitskräfte müssen aus den Einnahmen der Geschäftstätigkeit entlohnt werden und nicht aus dem Privatvermögen der Gesellschafter.
    In diesem Sinne ist es volllkommen egal, was Reinhold Würth mit seinem privaten Geld macht.

    Darüber hinaus: in dem er eine so große Investition tätigt, trägt er dazu bei, die Wirtschaft anzukurbeln. Überlegt mal, wie viele Werftarbeiter durch seinen Auftrag einen Job haben.

    Und nochmal darüber hinaus: Das Boot ist mit Sicherheit bereits vor über zwei Jahren in Auftrag gegeben worden. So lange braucht normalerweise eine Werft für so eine Yacht. Und damals hätte sich niemand darüber beschwert. Soll Würth sein – wohl bereits bezahltes – Boot wieder verkaufen, nur weil es momentan um die Wirtschaft schlecht bestellt ist? Und wenn er es tut, kauft es sich ein anderer, auf dem ihr linksverbrämten Deppen ebenfalls rumhacken würdet. Meine Meinung: Der Würth hat es nach einem harten Arbeitsleben, in dem er Tausende Arbeitsplätze geschaffen hat, mehr als verdient, sich im Ruhestand etwas zu gönnen!

  4. 2009 März 30
    grill66 Permalink

    Yepp, ähnliches ist hier nachzulesen:
    http://heilbronn-franken-wirtschaft.de/?p=1498

  5. 2009 April 6

    …mich wundert auch , wie wenig differenziert SPON entgegen den üblichen Gepflogenheiten in diesem Fall berichtet

    Einige Anmerkungen in Stichworten:

    Der Bau einer solchen Yacht ist ein Projekt, das ich über mehrere Jahre erstreckt. Im vorliegenden Fall würde ich mutmaßen liegt der Kauf / Bestellung mindestens 5 Jahre oder länger zurück!

    Während der Planungs- und Bauzeit, gibt das Projekt etwas 300 Menschen ein Ein- und Auskommen. Wohlgemerkt mind. 5 Jahre lang!

    Ist das Schiff fertig gestellt und kommt in Fahrt, sind an Bord zwischen 15 und 20 Menschen angestellt / Arbeitsplätze vorhanden.

    Dadurch, dass es das Schiff gibt, werden Umsätze von ca. 10%-15% des Wertes p.a. generiert, die Firmen aus dem maritimen Sektor zu Gute kommen. ( Werften, Häfen, Versicherungen, Zubehörlieferanten, etc…)

    Letztlich lebt auch eine so kleine Firma, wie die meinige von derartigen Aufträgen.

    Hätte Herr Würth für die Millionen Kunstwerke gekauft und sich in den Keller gehängt, wer hätte da denn was davon gehabt?

    Schöne Grüße,

    Claus Müller

  6. 2009 April 7
    woodist Permalink

    Wer ein Unternehmen gründet und/oder führt, übernimmt Verantwortung. Nicht nur für sich und das Unternehmen selbst, sondern auch für alle seine Angestellten. Diese haben sich und ihre Existenz von ihrem Arbeitsplatz abhängig gemacht. Wenn diese Arbeitsplätze nun bedroht werden, sollte Würth notfalls mit Privatvermögen einspringen, das er übrigens ohne die Hilfe seiner Angestellten nie hätten anhäufen können.

    Klar hätte es ohne Würth diese ~5000 Arbeitsplätze nie gegeben. Doch es gibt sie nun einmal und jetzt kann er – allein schon moralisch betrachtet- auch nicht damit umspringen wie er will.

  7. 2009 April 7
    woodist Permalink

    @Claus Müller

    Was ist das denn für eine Argumentation? Helfen sich die Arbeitgeber jetzt gegenseitig aus, stecken Geld in Branchen die gar nichts mit ihrem Unternehmen zu tun haben (Ok, in einer Yacht sind auch Schrauben :D ) und hoffen, dass ein anderer dasselbe bei ihrem Unternehmen macht?

    Bevor man sich derartiges gönnt und dann zur Rechtfertigung mit einer Erhaltung von Arbeitsplätzen argumentiert, sollte man vielleicht doch erstmal an die eigenen Arbeiter denken.

  8. 2009 Mai 22
    Roland Rubin Permalink

    Soll Herr Würth warten bis er 90 ist, bis er sich seinen Lebenstraum erfüllt?

    Er hat nun mal einiges richtig gemacht in seinem Leben.

    Erfolg ist eine Kombination aus Fleiß, Ausdauer und richtigen Entscheidungen.

    Ich möchte nicht wissen, wie es uns in Deutschland erginge, wenn sich Unternehmer wie Hr. Würth als Lebenstraum im Ruhestand einen neuen Golf kaufen…

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