Neulich am schwarzen Brett
Februar 25, 2008
Musik, Kunst & Trash

PS: Am 9.5.2008 um exakt 14:00:00 Uhr findet die deutsche Version auf dem Münchner Odeonsplatz statt!
In der Flashmob-Facebook-Gruppe gibt es dazu mehr Informationen!
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Wann: Freitag, 09. Mai 2008 um exakt(!!) 14:15:00
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Wo: Odeonsplatz
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Was: FREEEEEEZE!
Ich hatte das Glück als Zaungast an der DLD Conference 2008* teilnehmen zu können.
Durch die aus allen Nähten platzende Location schritten drei Konferenztage lang (fast) alles, was weltweit im Web 2.0 wichtig ist:
Jimmy Wales (Wikipedia), Marissa Mayer (Google), Matt Cohler (Facebook), Niklas Zennström (Skype, Joost), um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Doch auch aus Kultur und Wissenschaft gaben sich einige interessante Köpfe ein Stelldichein. Craig Venter, David de Rothschild**, Paulo Coelho und Konstantin Grcic diskutierten im Rahmen der Podiumsdiskussionen fleißig um die Wette und tauschten in den Kaffeepausen noch fleißiger Visitenkarten. Wie erwartet, war die Dichte an Businesskaspern erschreckend hoch. Die Veranstaltung gilt als inzwischen übermäßig gehypt. Das zieht neben den echten Denkern, Entwicklern, Kreativen und Finanziers eben auch das übliche Begleitvolk nach sich. Gut finde ich die kritische Auseinandersetzung der Blogger-Szene mit der Konferenz. Nach der Lektüre mehrerer High-Authority-Blogs (danke Technorati) wich mein erster Eindruck jedoch schnell der Erkenntnis, das sich konferenzverwöhnte Szene-Blogger anscheinend nur mit Dingen wie Catering, Steckdosen, Mundgeruch und einer übervollen Location beschäftigen. Mal ganz ehrlich: Über die (teils) hoch interessanten und guten Panels und eine kritische Diskussion über die weniger guten, habe ich in der Blogosphäre bisher wenig lesen können. Zwei Positivbeispiele auf Heise und Medienlese.
Alles in allem war die DLD 2008 ein hoch interessantes Event. Ein Blick in die Video-Highlights lohnt sich auf jeden Fall.
PS: Was ich da noch hinzuzufügen hätte, wäre ein Hinweis für’s nächste Jahr: Foto-Gimmicks wie Naomi Campbell müssen nun wirklich nicht mehr eingeladen werden. Ihr Nicht-Erscheinen beim Africa Revisited-Panel, welches hoch interessant war und durch Naomis Auftauchen wohl möglich inhaltlich abgewertet worden wäre, lag nicht, wie die Bunte berichtete, an akuter Schüchternheit des Supermodels, sondern an massiver Divenhaftigkeit (10 Minuten nach vereinbartem Eintreffen föhnte sie sich in ihrer Suite im benachbarten Bayerischen Hof noch die Haare).
* Die DLD Conference (Digital Life Design, vormals “Digital-Lifestyle-Day”) ist ein Get-Together vieler Choriphäen aus digitalen Medien, Wissenschaft und Kultur. Ins Leben gerufen wurde die DLD Conference vom Burda Medienkonzern. In diesem Jahr ging die Veranstaltung in die vierte Runde und entwickelt sich inzwischen zügig zum Klassentreffen der Web 2.0-Community. Egal ob Google, Yahoo!, Facebook, StudiVZ, Xing, YouTube oder Wikipedia, alles was an großen und kleinen Blutkörperchen durch die Venen des Internets pocht, versammelt sich im Januar im Münchner HVB-Forum, um Ideen auszutauschen, interessanten Vorträgen zu lauschen und im Anschluss nach Davos zu düsen. By the way: Terminlich lebt die DLD in völliger und gewollter Abhängigkeit vom Weltwirtschaftsforum. Das ist auch so in Ordnung. Denn so kommen viele interessante Köpfe auch zur DLD, die eigentlich nur in die Schweiz zum Skifahren Weltverändern fahren würden.
** Wieso, um Himmels Willen, ist David Rothschild nicht nur scheisse eloquent, sieht scheisse gut aus, kann scheisse gut reden und ist dabei auch noch so VERDAMMT nett? Er plaudert mit jedem, egal ob das jetzt Jimmy Wales, die Journalistin eines Radioprogramms oder ein Münchner Kommunikationswissenschaftsstudent ist, als ob sie sich schon ewig kennen würden und ist auch noch grundhöflich dabei. Das irritiert mich irgendwie…Kann der Kerl nicht einfach arrogant sein? Dann müsste man (zumal als Geschlechtsgenosse ) nicht ganz so neidisch sein!
Aus is’
Die Zelte sind leer, die Stände verlassen und über allem liegt ein Brodem aus Schweiß, Bier,Urin und vergammelter Zuckerwatte.
Es ist erstaunlich, wie anders ein Ort wirkt, der vor Tagen noch Anziehungspunkt für Zehntausende war und nun verweist und leer ist.
Wenn man still hält und die Augen schließt, hört man noch das Gejauchze der Kinder auf dem Kettenkarussel und das Gedröhne der Massen in den Zelten. Aber nur wenn man sich die Zeit nimmt…
Oder größer, besser + mit Download-Möglichkeit bei Veoh.com:
Oha!!! Das hat geknaddert!!!!
Das Handy klingelt. Der nervöse Ton schwillt an und wird immer lauter. Gehetzt beantwortet er den Anruf. Lustlos führt er das Gespräch. Er verabschiedet sich höflich, legt auf und schaltet mit schmunzelndem Gesicht das Gerät ab. Heute nimmt er sich Zeit. Der Vormittag war anstrengend: Eine Konferenz jagte die nächste, den ganzen Morgen über Anrufe - der übliche Büro-Wahnsinn. Doch jetzt entfernt er sich vom Alltag. Endlich geht er auf die Reise, die ihm zum Wichtigsten führt, nämlich zu sich selbst. Dafür muss er noch nicht einmal Koffer packen oder Flüge buchen. Er muss sich einfach Raum und Zeit nehmen. So gerne möchte er diesen lange nicht gesehenen Ort betreten, möchte wieder zurück, wo er einst war: Das eigene Ich. Seit dem hat er vieles verdrängt, vieles vergessen wollen, sich in Arbeit gestürzt und dabei sich und seine Gedanken verloren. Er ist darüber sehr müde geworden.
Einmal „Ich“ und zurück
Heute Mittag will er eine Stunde spazieren gehen. Diese Mittagspause soll seine ganz persönliche Mußestunde sein. Sie gehört nur ihm. Handys, Blackberrys, Email und Konferenzen haben da keinen Platz. Er möchte auf Reisen gehen, endlich wieder innehalten können. Viele haben das verlernt, denkt er sich. Die Beschäftigung
mit sich selbst ist es, was er möchte.
Kann er die Komplexität seiner Umwelt so weit reduzieren, dass es nur noch die eigenen Gedanken gibt? Kann er so grundsätzlich abschalten, dass die Zeit tatsächlich stillzustehen scheint? Kann er einen Moment vollkommener Klarheit erschaffen, der sich selbst genügt und dem eigenen Ich den Raum geben, den es seit langem so bitter nötig braucht? Nein, meditieren möchte er nicht, nur innehalten. Er möchte sich besinnen. Er tut sich nicht leicht damit. Wie soll man das anstellen? Einfach sitzen zu bleiben und nachdenken, ist zu wenig. Er will eine kleine Reise machen, hinaus in die Stadt. Schließlich ist es ein klirrend kalter aber strahlend-sonniger Wintertag. Es ist diese bestimmte Zeit im Jahr, in der nichts den Verstand benebelt, in der das Leben und die Natur sich auf die wesentlichen Dinge reduzieren, wo keine überflüssige Handlung stattfindet. Es ist ein guter Zeitpunkt. Es bleibt nur die entscheidende Frage zu klären: Wohin? Welcher Ort ermöglicht die Ich-Suche? Welcher Ort lässt ihn ganz bei sich selbst sein? Kann man in einer großen Stadt überhaupt abschalten? Vielleicht nicht, denkt er sich, aber entdecken, das kann man. Vielleicht entdeckt er sich dabei auf zufällig wieder.
Liegt in der Unruhe die Kraft?
Er will das Leben der Stadt neu entdecken, sich treiben lassen. Mal sehen, wohin ihn seine Beine tragen werden. Kann er Ruhe finden in der Hektik der Anderen, im Auge des Sturms? Soll er sich in das nervöse Leben des Hauptbahnhofs begeben? Oder runter zum Fluss gehen und sich die immergleichen Wellen anschauen, wie sie stetig fließen und so unzerstörbar sind, wie er es gerne wäre.? Ausruhen in der Betrachtung der Wellen, die nie stillstehen können und doch in ihrer stetigen Bewegung die Ruhe selbst sind? Oder sollte er ziellos durch die Stadt gehen? Er könnte so viele Dinge neu entdecken.
Er könnte durch den Park laufen und den Wolken zusehen, die anwachsen zu majestätischer Größe nur um eilig weiterzuziehen um bald zu vergehen. Er könnte auf die Aussichtsplattform des Kirchturms hinaufsteigen und der Stadt bei ihrer bienenfleißigen Lebendigkeit zuschauen. Er könnte sich mit einer wärmenden Tasse Cappucino in ein Straßencafé setzen und nichts tun. Oder sollte er ein gutes Buch lesen? Es würde doch nur vom Wesentlichen – vom eigenen Ich – ablenken. Er könnte so vieles tun. Aber einfach nur dasitzen und nachdenken?
Nach Hause kommen
Langsam kehrt er in die Gegenwart zurück. Er sitzt an seinem Schreibtisch und schaut auf die Armbanduhr. Die Stunde, in der er seine Reise unternehmen wollte, ist bereits verstrichen. Eine unvergängliche Stunde, in der alles stillzustehen schien. Jetzt hat ihn die Zeit wieder eingeholt. Und trotzdem ist er nicht wehmütig, sondern reich, unermesslich erfüllt. Er hat keinen Schritt vor die Tür getan und war doch auf Reisen.
Ganz weit weg, bei sich selbst.