Mega Slo-Mo
März 8, 2008
Musik, Kunst & Trash
Ich hatte das Glück als Zaungast an der DLD Conference 2008* teilnehmen zu können.
Durch die aus allen Nähten platzende Location schritten drei Konferenztage lang (fast) alles, was weltweit im Web 2.0 wichtig ist:
Jimmy Wales (Wikipedia), Marissa Mayer (Google), Matt Cohler (Facebook), Niklas Zennström (Skype, Joost), um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Doch auch aus Kultur und Wissenschaft gaben sich einige interessante Köpfe ein Stelldichein. Craig Venter, David de Rothschild**, Paulo Coelho und Konstantin Grcic diskutierten im Rahmen der Podiumsdiskussionen fleißig um die Wette und tauschten in den Kaffeepausen noch fleißiger Visitenkarten. Wie erwartet, war die Dichte an Businesskaspern erschreckend hoch. Die Veranstaltung gilt als inzwischen übermäßig gehypt. Das zieht neben den echten Denkern, Entwicklern, Kreativen und Finanziers eben auch das übliche Begleitvolk nach sich. Gut finde ich die kritische Auseinandersetzung der Blogger-Szene mit der Konferenz. Nach der Lektüre mehrerer High-Authority-Blogs (danke Technorati) wich mein erster Eindruck jedoch schnell der Erkenntnis, das sich konferenzverwöhnte Szene-Blogger anscheinend nur mit Dingen wie Catering, Steckdosen, Mundgeruch und einer übervollen Location beschäftigen. Mal ganz ehrlich: Über die (teils) hoch interessanten und guten Panels und eine kritische Diskussion über die weniger guten, habe ich in der Blogosphäre bisher wenig lesen können. Zwei Positivbeispiele auf Heise und Medienlese.
Alles in allem war die DLD 2008 ein hoch interessantes Event. Ein Blick in die Video-Highlights lohnt sich auf jeden Fall.
PS: Was ich da noch hinzuzufügen hätte, wäre ein Hinweis für’s nächste Jahr: Foto-Gimmicks wie Naomi Campbell müssen nun wirklich nicht mehr eingeladen werden. Ihr Nicht-Erscheinen beim Africa Revisited-Panel, welches hoch interessant war und durch Naomis Auftauchen wohl möglich inhaltlich abgewertet worden wäre, lag nicht, wie die Bunte berichtete, an akuter Schüchternheit des Supermodels, sondern an massiver Divenhaftigkeit (10 Minuten nach vereinbartem Eintreffen föhnte sie sich in ihrer Suite im benachbarten Bayerischen Hof noch die Haare).
* Die DLD Conference (Digital Life Design, vormals “Digital-Lifestyle-Day”) ist ein Get-Together vieler Choriphäen aus digitalen Medien, Wissenschaft und Kultur. Ins Leben gerufen wurde die DLD Conference vom Burda Medienkonzern. In diesem Jahr ging die Veranstaltung in die vierte Runde und entwickelt sich inzwischen zügig zum Klassentreffen der Web 2.0-Community. Egal ob Google, Yahoo!, Facebook, StudiVZ, Xing, YouTube oder Wikipedia, alles was an großen und kleinen Blutkörperchen durch die Venen des Internets pocht, versammelt sich im Januar im Münchner HVB-Forum, um Ideen auszutauschen, interessanten Vorträgen zu lauschen und im Anschluss nach Davos zu düsen. By the way: Terminlich lebt die DLD in völliger und gewollter Abhängigkeit vom Weltwirtschaftsforum. Das ist auch so in Ordnung. Denn so kommen viele interessante Köpfe auch zur DLD, die eigentlich nur in die Schweiz zum Skifahren Weltverändern fahren würden.
** Wieso, um Himmels Willen, ist David Rothschild nicht nur scheisse eloquent, sieht scheisse gut aus, kann scheisse gut reden und ist dabei auch noch so VERDAMMT nett? Er plaudert mit jedem, egal ob das jetzt Jimmy Wales, die Journalistin eines Radioprogramms oder ein Münchner Kommunikationswissenschaftsstudent ist, als ob sie sich schon ewig kennen würden und ist auch noch grundhöflich dabei. Das irritiert mich irgendwie…Kann der Kerl nicht einfach arrogant sein? Dann müsste man (zumal als Geschlechtsgenosse ) nicht ganz so neidisch sein!
Diese Bekloppten von der BüSo stehen ganz gern mal bei uns vor der Uni (LMU München) und verteilen Flyer. Hatte schon die eine oder andere belustigende Diskussion mit denen.
BTW: Das ist einer der besten Kalkofe-Spots überhaupt.
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Auch wenn dieser Werbespot für das alljährlich stattfindende “San Francisco Jazz Festival” effektvoll übertreibt, steckt doch eine Menge Wahrheit in dem Spot. Ich vernachlässige hier mal eine Diskussion über die “Realness” von Baggyhosentragenden, Vibez und Skillz produzierenden Freizeit-Gangstern und beschränke mich auf die musikhistorische Herkunft des Hip-Hop. Denn diese liegt bekanntermaßen im Rhythm and Blues der 1940er Jahre, der wiederum aus den afroamerikanisch geprägten Jazz-Anfängen, dem historischen Blues und auch aus dem Ragtime entstanden ist. Genau wie im Jazz, zählt im Hip-Hop die Kunst der Improvisation, auch wenn die instrumentalen Improvisationsleistungen des Hip-Hop eher unbedeutend sind.
Zwar kann man - objektiv gesehen - nur noch wenige Parallelen zwischen Jazz und Hip-Hop ziehen, aber das ist auch nicht wirklich entscheidend. Wichtig ist zu erkennen, dass alles in sich verwoben ist - dass sich in der Welt der Musik alles bewegt, alles bedingt und alles “versteht”. Gerade Jazz und Hip-Hop sind zwei Stile die beweisen, dass die Musik nach allen Seiten Tür und Tor offen halten muss, um immer lebendig zu sein. Der Jazz hat den Beweis bereits erbracht. Ich gehe fest davon aus, dass es der Hip-Hop dem Jazz gleich tun wird.