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Die öffentliche Pleite des Franjo Pooth

31. Januar 2008

Vor einer Woche berichteten die einschlägigen Boulevardmedien von einer Unternehmenspleite, wie sie – in mehr oder weniger gleicher Form – jeden Tag vorkommt. Nur: Der Unternehmer ist kein Unbekannter und seine Frau medial bestens vernetzt. Die Rede ist von Franjo, dem Ehemann von Verona Feldbusch Pooth. Der Unternehmer, der sein Glück mit dem Verkauf von MP3-Spielern untern dem Namen Maxfield versuchte, musste Insolvenz anmelden. Klar, eine persönliche Tragödie. Aber ist das damit automatisch ein Medienthema? Aus meiner Sicht sogar doppelt. Erstens ist die Prominenz des Unternehmers Pooth ein Nachrichenwert in sich und zweitens beschreibt die Meldung um die Pleite eine wirklich ur-deutsche Denkart: Berufliches Scheitern = persönliches Scheitern. Warum ist das so? Wieso dieser unauflösliche Zusammenhang? 

Wer sich die Bild-Artikel zu Gemüte führt, wird sofort verstehen was ich meine. Dort aktiviert Medienprofi Verona eine ganze Armada an Gefühlsprotonen, spricht vom „verlorenem Gewicht“, Unmengen von Zigaretten und durchlittenen Nächten. Natürlich leidet Pooth. Wer sein Lebenswerk durch die Finger rieseln sieht, ist nun mal mit den Nerven am Boden. Doch hier kommt die Krux: Das deutsche Verständnis vom Unternehmertum ist ein durch und durch konservatives. Wer als Kleinunternehmer auf der sprichwörtlichen Schnautze landet, dem ist Häme und Spott gewiss. Die deutsche Seele verzeiht keine Patzer. Das Entrepeneur-Stehaufmännchen amerikanischer Art gibt es bei uns nicht. „Wer scheitert, muss leiden“, könnte ein sehr deutsches Sprichwort lauten. Es ist (gottseidank) inzwischen möglich, sich aufzuraffen und den Neuanfang zu wagen. Aber warum muss dieses Scheitern und der darauf folgende Neuanfang durch das Tal der Tränen verbunden sein? Warum gilt in bürgerlichen Kreisen das Gesetz „schafft’s net – konnt’s net“?

Die Berichterstattung zum Fall Pooth/Maxfield offenbart die Art und Weise, wie in Deutschland öffentlich mit Pleiten umgegangen wird. Klar wird es durch die Reziprozität der Medienstrategie der Pooths und der BILD-Zeitung: Flucht nach Vorne.

Nur wer einmal gelitten hat, darf wieder ran. Ein bischen us-amerikanische Leichtigkeit könnte uns hier ganz gut tun.

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