Skip to content

Gedanken zum Neonazi-Aufmarsch in Passau

5. Januar 2009

Gestern las und sah ich mit Genugtuung, dass gegen den dreisten und unverhohlenen Neonazi-Aufmarsch im Bayerischen Passau eine breite Front von Aktionsbündnissen, Bürgerforen und Anwohnern aufgezogen ist, um den braunen Kameraden klar zu machen, was die Gesellschaft von ihnen hält. Es wurden Zeichen gesetzt und die Causa Mannichl medial aktiv gehalten. Gut so, sehr gedankt und weitergezappt…

Aber irgendwie ließen mich die Fernsehbilder noch nicht los: knapp 1000 Gegendemonstranten standen den ca. 200 Neonazi/NPD-Rechtsextremen gegenüber. Ein Missverhältnis, was auf den ersten Blick beruhigend wirkt. Mir kamen dabei aber die fast immergleich wirkenden Lebensläufe junger brauner Nazi-Mitmarschierer in den Sinn: Oft aus einfachen Verhältnissen stammend, in ländlichen Gegenden aufwachsend, ohne Perspektiven adoleszierend, sind es oft diejenigen jungen Männer und Frauen in der Gesellschaft, die besonders wenig geschenkt bekommen, die durch Unfähigkeit ausgegrenzt oder durch soziale Stigma behindert sind. Was wir aus ihnen? Ein Radikalisierungspotential auf zwei Beinen! Diese „Enttäuschten“ finden eine neue Gemeinschaft, eine neue Heimat in den Armen rechtsextremer Gruppen. Sie geben ihnen Halt und Bestätigung. Sie werden in der Gruppe stark.

Soweit ist das keine neue Erkenntnis. Aber hier setzt mein Gedanke an: Die Kraft der Gruppe schöpft sich zu großen Teilen aus dem „Underdog-Gefühl“, aus einem perfiden „Wir-gegen-alle“-Nimbus. Je stärker, die Gegenwehr, desto größer der Zusammenhalt, möchte man meinen. Als ich nun davon las, dass die Rechtsextremen durch Passau marschieren wollten, kam mir sofort der Gedanke: Hoppla, das ist die größtmöglichste Provokation. Der Aufschrei der Empörung, die Wut der Anständigen war ihnen gewiss. Ich sehe hier eine ungute Verkettung von Aktion und Reaktion. Je größer die Empörung, desto erfolgreicher die Aktion. Meine These ist folgende: würde die Öffentlichkeit weniger Anteil an solchen Märschen nehmen, würde der Nimbus der Provokation wegbröckeln, die Attraktivität der Empörungserzeugung BESONDERS durch die „Enttäuschten“ wäre bedeutend geringer.

Klar, eine Gegendemonstration, wie sie gestern in Passau unternommen wurde, nicht nur absolut notwendig, sondern auch richtig. Ich denke eher für die Zukunft. Das Entziehen eines Forums, egal welcher Art, muss das Ziel sein. Und eine Gegendemonstration IST leider ein Forum, da es die Presse mit hineinzieht. Wie kann man dieses Dilemma ausschalten? Ist Ignoranz der richtige Weg?

Freue mich über Meinungen,

K

No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: