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Warum Geld nicht glücklich macht

11. Februar 2009

Macht Reichtum zufriedener? Macht uns höherer Status glücklich?  Kann eine Lohnerhöhung unser Leben verändern? 
Ein paar Zeilen zu dem selbstzerstörerischen Streben nach MEHR, der Gier und warum Geld nicht glücklich machen kann.

 
Zwei Faktoren bestimmen das menschliche Streben: Rivalität und Habituation

Rivalität ist das Konzept, wonach Leistungen und Besitz des Nächsten für einen selbst nicht akzeptabel sind, sollten sie den Glanz des eigenen Portfolios überstrahlen.  Fährt der Arbeitskollege einen Audi A6, muss es in der eigenen Garage zumindest ein 5er BMW sein. Spielt die Schulfreundin der eigenen Tochter mit einem iPod, so ist der Kauf eines iPhones für das Kind eine nicht auszuschließende Option. Droht das Golf-Handicap des Clubfreunds dramatisch von eigenen zu divergieren, ist die Investition in ausgiebige Trainerstunden vorprogrammiert.
Rivalität ist – auch im friedlichen Sinn – ein extrem leistungsfördernder Faktor und unabdingbarer Motor für die kapitalistische Gesellschaft und somit für unser Wirtschaftssystem. Die meisten Bestrebungen des Menschen fußen auf dem Wunsch, es einmal besser zu haben oder es besser zu haben als die anderen. Es geht um Status-Veränderung, um Status-Steigerung und um Sicherheit.  Die zwei Worte „besser haben“ sind dabei von entscheidender Bedeutung. Denn sie beschreiben bereits, worum es im Kern der Sache geht: nicht um absoluten Zugewinn sondern immer nur um die Relation zu Anderen. Wer an dieser Tatsache zweifelt, kann sich selbst prüfen. Dazu braucht es nur einen einfachen Test:

Welche Option, die Wahl einer fiktiven Welt, ist die bessere? 

A) Man lebt in einer Welt, in der man selbst 50.000 Euro pro Jahr verdient und alle anderen nur 40.000 Euro.
B) Man lebt in einer Welt, in der man selbst 300.000 Euro pro Jahr verdient. Aber alle anderen verdienen genauso viel. 

Fragt man 500 Leute auf der Straße, welche Option sie wählen würden, so wird die Mehrheit sicherlich Option A) vorziehen. Der Wunsch, sich von den Anderen abzuheben, wird immer den Wunsch nach absolutem Reichtum übersteigen.
Aber macht die durch Rivalität gewonnene Positionsänderung eigentlich dauerhaft glücklich? Kann ein Zugewinn an Geld, Status, Prestige oder Macht zu kontinuierlichen Glücksgefühlen führen? Denken wir an das Eingangsbeispiel: Ist ein Autokauf glücksgarantierend? Nein! Ich stelle mich mit meinem Arbeitskollegen zumindest gleich, wenn ich seinem Audi A6 einen BMW 5er entgegensetzen kann. Die Ausschüttung großer Glücksgefühle erfolgt jedoch erst beim Kauf eines – den Arbeitskollegen vor Neid erblassenden – Porsche Cayenne. Ich habe ihn in Sachen automobiler Status deutlich überholt. Doch nun macht mir ein anderes Konzept alles aufgebauschte Glück wieder zunichte: Habituation.

Die Habituation ist das Konzept, wonach sich der Mensch in Windeseile an neue Lebensumstände gewöhnen kann. Diese, in Uhrzeiten lebensnotwendige, Fähigkeit sorgt dafür, dass sich jedes Individuum immer an die entsprechende Situation anpasst und lernt, diese als gegeben zu akzeptieren. Dieser Effekt ist sowohl postiv als auch negativ neutralisierend, wie folgende Beispiele verdeutlichen: ein Beinamputierter oder ein AIDS-Kranker können sich genauso gut mit ihrer Umwelt arrangieren, wie gesunde Menschen. Ihnen ist großes Unglück widerfahren aber sie sind nicht zur Resignation gezwungen. Eine Hochzeit oder eine saftige Lohnerhöhung lösen bei Menschen große Glücksgefühle aus. Doch sie erzeugen neue Ist-Zustände der Existenz, an die sich die Glücklichen erstaunlich schnell gewöhnen. Wer lange Jahre verheiratet ist, weiss wahrscheinlich recht gut, wie sich das anfühlt und wie ich das meine [Disclaimer: ich bin 27 Jahre alt und habe keine Ahnung von der Materie:-)]. Das große Glücksempfinden wandelt sich, schneller als einem lieb ist, in einen gefühlten Normalzustand, der nicht als etwa besonderes wahrgenommen wird. 

Was hier beginnt ist ein Kreislauf: Rivalität führt zu Statusänderung, Statusänderung führt zu Habituation und Habituation führt widerum zu Rivalität, um den inzwischen gewohnten neuen Zustand wieder abzuändern.

Der Kreislauf hat ein Endprodukt: Gier!  Aber ist Gier etwas schlechtes? Schließlich ist sie es, die Menschen antreibt, Außergewöhnliches zu leisten. Sie lässt uns morgen Dinge entwickeln, die heute noch keiner für möglich gehalten hätte.  Gäbe es den Kreislauf nicht, würden wir noch in der Neandertaler-Höhle hocken.  Also sollten wir der Gier dankbar sein. Und doch ist der Gierkreislauf hochgradig selbstzerstörerisch. Denn jede Statusänderung frisst sich über kurz oder lang wieder selbst. Die einzige, die davon profitiert, ist die Evolution. Wer am wenigsten profitiert ist das Individuum. 

Zu dem Thema empfehle ich:

„Große Tiere, große Irrtümer“ – Ein Artikel von Eckart von Hirschhausen auf Cicero.de.

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