Skip to content

Zum Mordprozess um Morsal Obeidi

13. Februar 2009

Ich habe die Berichterstattung zum dem Hamburger Mordprozess gegen Ahmad Obeidi, der seine Schwester Morsal aus Ehrengründen tötete, ein wenig verfolgt. Was heute im Gerichtssaal im Rahmen der Urteilsverkündung stattgefunden hat, irritiert micht aufs ärgste: 

Obeidi hat, so das Gericht, die Ehre seiner Familie durch das „westliche“ Verhalten seiner Schwester  in Gefahr gesehen,hat daraufhin, von bestimmten Wertvorstellungen getrieben, gehandelt und seine Schwester ermordet. Der Spiegel zitiert das Gericht:

„Dass diese Wertvorstellungen dem Angeklagten anerzogen sind, ändert daran nichts.“ Es gelten die Vorstellungen der Rechtsgemeinschaft in Deutschland und nicht die einer afghanischen Volksgruppe: Die Tötung eines Menschen aus Gründen der sogenannten Ehre sei dann ein niedriger Beweggrund, wenn der Täter mit den deutschen Rechts- und Wertvorstellungen vertraut sei. Da er schon lange in Deutschland lebe und hier auch zur Schule gegangen sei, habe Ahmad Obeidi diese Rechtsvorstellungen gekannt. 

Obeidi soll, laut Medienberichten, darauf geantwortet haben:

Bei einem Prozess in Kabul wäre er „längst draußen“.

Dieser Satz enthält so unglaublich viel Wucht: Anscheinend ist die Segregation in eine Parallelgesellschaft auf dem Boden der BRD so gründlich vollzogen, dass der Deutsch-Afghane Obeidi glaubt, nicht unter die Gesetzmäßigkeiten dieses Landes zu fallen. Er muss die vermeintlichen Regeln des sozialen Miteinanders, welche die Gesetzgebung einer Gesellschaft letztendlich mitbestimmen, in einem so abgekapselten und vermeintlich afghanisch-familiären Kontext verstanden und nachvollzogen haben, dass er die Rechts- und Wertvorstellungen Deutschlands nicht mal im Ansatz anerkennt. Diese Tatsache irritiert mich aufs äußerste.

Die Integration ist für mich heute ein großes Stück weiter gescheitert.

Nachtrag: Guter Kommentar auf benjatmin.wordpress.com

8 Kommentare leave one →
  1. 13. Februar 2009 17:50

    true that! bleibt nur die frage, lassen diese leute sich überhaupt integrieren? ich denke, es wird immer ein paar geben, die nicht wollen. meine hoffnung bleibt, dass es eine minderheit bleibt, aber vielleicht sollte die hoffnung schon daran ansetzen, überhaupt von einer minderheit sprechen zu können…

  2. 13. Februar 2009 18:35

    Das traurige ist, dass Ahmad mit dieser Aussage sogar recht hat – was mich manchmal schon daran zweifeln läßt, ob unser Engagement für den Wiederaufbau Afghanistans wirklich sinnvoll ist. Westerwelle hat es schön auf den Punkt gebracht: Keine Entwicklungshilfe für Länder, in denen man für Homosexualität zum Tode verurteilt wird.
    Eine Ausweitung dieser Aussage auf Länder, in denen Frauen von ihren Vätern und Brüdern straflos umgebracht werden können, würde ich unterstützen.

  3. Opa-G permalink
    13. Februar 2009 20:37

    In meinen Augen gehören diese Psychiaterin und die Anwälte gemeinsam mit diesem perversen Mörder eingesperrt.

  4. 13. Februar 2009 20:51

    Bitte das nächste Mal ein bisschen nachdenken, Opa-G.

    Wenn Du sagst, die Anwälte gehören mit eingesperrt, dann hast Du unser Rechtssystem genausowenig verstanden. Jeder Angeklagte hat in einem Prozess das Recht auf einen Anwalt. Und die Aufgabe dieses Anwalts ist es das Recht seines Mandanten zu wahren, auch wenn es sich dabei um einen Mörder,Kinderschänder,Terroristen,etc. handelt. Es darf in einer Demokratie keine Hau-Drauf-Justiz ohne Prozess und keine einseitig angklagende Rechtssprechung geben. Daher ist es notwendig, AUCH einen „Unmenschen“ angemessen zu verteidigen. Nur so können wir unsere demokratischen Wert- und Rechtsvorstellungen wahren. Schließlich sind nicht im Mittelalter.

  5. 14. Februar 2009 17:43

    das traurige ist, dass die politik darauf nicht einmal im ansatz reagiert, im gegenteil. es wird im wahrsten sinne des wortes zu tode geschwiegen

  6. Clemens permalink
    16. Februar 2009 18:19

    Ich finde das auch sehr irritierend. Schlimm ist nur, dass wir von Irritation reden und im Grunde immer noch die Frage der Integration nicht zufriedenstellend beantworten können, finde ich noch irritierender. Was mich aber aber am meisten irritiert, ist die Tatsache, dass die Leute, die sich wahnsinnig an dem Wort „Leitkultur“ stören und für multi-kulti sind, selber die angepasstesten sind. Vor drei Tagen habe ich auf Fotos in einem sozialen Netzwerk amerikanischer Herkunft von einer Freundin gesehen, die bekennde Anhängerin der „Menschen leben lassen, wie sie sind und sein wollen“-Integration sind. Besagte Freundin war im Iran und ich habe sie gefragt, warum sie dort Kopftuch getragen hat und warum sie es dort vollkommen in Ordnung fand, 10 Schritte hinter den Männern zu laufen, und ob sie das nicht als absoluten Dolchstoß in Alice Schwarzers Rücken sieht. In Deutschland will sie ja schließlich auch nicht die ansässigen kulturellen Minderheiten dazu zwingen, sich dem alleine dem Sprachkode jedenfalls in der dritten Generation anzupassen. Die Antwort steht noch aus, wenn sie überhaupt kommt, aber wahrscheinlich wird mir eine Predigt zum Thema Gesetz des Iran gehalten. Naja, unser Gesetz sagt halt: Töte deine Schwester nicht, wenn sie kein Kopftuch tragen will und genau diese Leute wollen sich nicht dran halten, eben weil sie uns für Schwächlinge und Weicheier halten, WEIL wir keine klare Identität haben und uns über einen gemeinsamen Nenner sowieso uneinigt sind. Jeder kann sich ja mal die Frage selbst beantworten, warum er stolz ist, wenn er es ist, in dieser Nation zu leben. Ein Iraner wird dir 30 Gründe nennen, ich werde Ihm sagen, dass wir so ein stabilies Gesetz habe, vor dem alle gleich sind, wie es sich kein mulla wünschen möchte!
    (Eben habe ich meinen Vater gebeten mir zwei Artikel aus der FAZ und der Bildzeitung zu diesem und einem ähnlichen Fall einzuscannen und zu schicken, ich werde diese an den Admin weiterleiten, der dann entscheiden kann, ob er sie hier erwähnen will. Grund: Es geht um die Rolle der Medien und wie schnell Medien in diesem sensiblen Bereich auch gerne mal erst uns selber verurteilen, und dann merken, dass der Grund doch wo anders lag. Ich halte es da sehr mit dem ehemaligen israelischen Botschafter in Berlin: „Kein Volk der Welt schafft es so gut, sich mit seiner eigenen Vergangeheitskeule so niederzuknüppeln wie die Deutschen!“ Fragt mal die Österreicher!)

  7. Clemens permalink
    16. Februar 2009 18:27

    Noch ein kleiner Nachtrag zu dem Begriff „deutsch-afghane“, den ich ja alleine schon super integrationsbedüftig irritierend finde: Im besagten sozialen Netzwerk bin ich in einer Gruppe, die sich „you know you’re german, if…“ nennt. Unter Punkt sieben heißt es da:
    You have asked your Asian-American friend, „No, but where are you *really* from?“

    Das trifft doch die Problematik wie die Faust das Auge. Wir sind halt einfach noch ein bisschen die besseren Einheimischen im Ausland als die dort ansässigen!

Trackbacks

  1. Latita's Life » » Zum Mordprozess Morsals

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: