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Der Fall Tauss

5. März 2009
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Der Vorwurf, Kinderpornografie zu besitzen, zu verbreiten oder sonst irgendwas damit zu tun, wiegt tonnenschwer. Gegen den SPD-Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss wird in einem solchen Fall aktuell ermittelt (Link: Spiegel). Am heutigen Donnerstag hat das LKA begonnen, seine Büro- und Privaträume nach entsprechendem Beweismaterial zu untersuchen. Die Anschuldigungen beschränken sich momentan noch auf einen Anfangsverdacht. „Es gibt einen Anfangsverdacht, dass strafrechtlich relevantes Bildmaterial vorhanden sein könnte“, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur dpa. Die Staatsanwaltschaft hat Durchsuchungen angeordnet, nachdem der Immunitätsausschuss des Bundestages die Immunität von Jörg Tauss aufgehoben hat. „Es kann herauskommen, dass er komplett unschuldig ist“, sagt ein Sprecher. 

Frage: Wenn ich Rufmord an einer Person des öffentlichen Lebens – insbesondere an einem Mann – begehen möchte, wie stelle ich es am effektivsten an?  Richtig! Ich äußere einen ungeheuerlichen sozial ächtenswerten Verdacht. Und was ist besser als der Vorwurf der Pädophilie? 

Ich möchte hier nicht falsch verstanden werden. Wenn Tauss schuldig ist, gehört das Arschloch bestraft. Ich bin bloß Realist und halte in der Politik vieles für möglich. Die Vergangenheit hat bewiesen, wozu Menschen, durch Machtgier getrieben, in der Lage sind. Rufmord ist eine sehr effektive Methode, um Karrieren zu beenden. Ob Tauss schuldig ist oder nicht, sein Ruf ist nicht nachhaltig beschädigt sondern unwiderbringlich zerstört. Es ist mir momentan nicht möglich zu sagen, wer oder was Jörg Tauss schädigen will. Ich stelle auch keine Vermutungen an. Es ist mir lediglich wichtig, darüber nachzudenken, wie fragil das Konstrukt „öffentliches Ansehen“ ist und wie leicht es zerstört werden kann. Tauss ist  Sprecher der AG Bildung und Forschung und als solcher recht „nah“ an Kindern und den entsprechenden Programmen. Diese Nähe stimmt nachdenklich: entweder weil eine tatsächliche Schuld als Amtsmann auf einem solchen Posten schlicht ungeheuerlich wäre, oder weil da jemand genau wusste, wie er Tauss auf einem solchen Posten für immer unmöglich machen kann.

Nachtrag (17:00/5.3.09):
Der Spiegel weiß zu berichten, dass Tauss sich bereits vor einiger Zeit gegen eine Sperrung von Kinderporno-Seiten gewehrt hat:

Tauss ist seit 2005 Generalsekretär der SPD Baden-Württemberg und seit 2008 Mitglied im SPD-Fraktionsvorstand. Seit 1994 sitzt er im Bundestag, wo er zum medienpolitischen Sprecher der Fraktion aufgestiegen ist. In dieser Funktion hatte er unter anderem die Pläne von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) kritisiert, Internet-Seiten mit kinderpornografischen Inhalten durch Sperrlisten verbieten zu lassen: „Damit drohen Zensurverhältnisse ähnlich wie in China“, sagte er und kritisierte die Ankündigung als „reine Wahlkampfshow“.

Nun ja. Was sagt man dazu?

Eine Übersicht über den Stand der Blog-Diskussion unter:

Justizskandale.de 

Gedanken zum Thema Datenschutz in Bezug auf Tauss hier:
Spiegelfechter
Piraten Berlin
Magnus Becker

[Dank an Hasenpfote für den Hinweis]
[Foto: Pressebereich – www.tauss.de]

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