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Der Fall Tauss (2)

6. März 2009
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Nach neuesten Informationen des Spiegel hat die Staatsanwaltschaft Tauss‘ Rechtfertigung für den Besitz von Kinderporno-Material widerspochen. Der SPD-Politiker hatte angegeben, das bei ihm gefundene Material für seine Arbeit als Abgeordneter zu verwenden. Die Staatsanwaltschaft stellt nun diese Verteidigungslinie in Frage. Das Material „spreche eindeutig gegen einen Zusammenhang mit seiner Tätigkeit“. Um was für Material es sich genau handelt, wurde jedoch nicht bekanntgegeben.

Im Rahmen dieser neuen Entwicklung sind meine zuletzt geäußerten Überlegungen hinsichtlich einer Rufmordkampagne selbstverständlich hinfällig. In einer ersten Einschätzung der Situation hatte ich „In dubio pro reo“ die Frage gestellt, ob Tauss nicht auch das Opfer einer gezielten Kampagne hätte sein können. Dabei ging es mir jedoch vorrangig um eine Betrachtung der Tatsache, dass der öffentliche Ruf ein höchst fragiles Konstrukt darstellt, welches durch die schlichte Äußerung von Vorwürfen bereits stark beschädigt, wenn nicht sogar komplett zerstört werden kann. 

In der Causa „Tauss“ zeigt sich tatsächlich, dass der Schutz der Person ein hohes Gut ist und vorschnelle Anschuldigungen rasch dramatische Folgen haben können. Wenn aber klar wird, dass sich so ein ungeheuerlicher Vorwurf erhärtet, so ist die soziale Ächtung einer Person wie Tauss nicht nur legitim sondern zwingende Bedingung. Schließlich handelt es sich bei Kinderpornografie um die schändlichste Form der Ausnutzung Minderjähriger und die Strafe sollte so hart wie möglich ausfallen. Bei einem solchen Vergehen bitte NULL TOLERANZ!

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5 Kommentare leave one →
  1. Clemens permalink
    6. März 2009 18:08

    ich weiß selber, dass die blödeste argumentationskette immer die ist, wenn man mit „ich habe irgendwo gelesen“ seine sätze beginnt. da ich aber so schrecklich belesen bin und einfach die quelle nicht mehr finde, möchte ich zumindest der vollständigkeit wegen so mein besetes dazu beitragen:
    ich habe irgendwo gelesen, dass die spur überhaupt erst zu herrn tauss viel, da zwei privatnummern, die auf herrn tauss zugelassen waren, bei einer razzia im pädophilenbereich bei einem „anbieter“ von mms und videos auf dem handy gefunden wurde. so habe herr tauss sich einen tag vor und zwei tage nach seinem parlamentsurlaub dort auch gemeldet und sogar angegeben, dass er gerade in urlaub sei bzw. wieder gekommen sei. irgendwie finde ich die sache aber doch ein wenig komisch, dass klingt doch alles irgendwie ein bisschen zu offensichtlich. wieso sollte sich ein pädo bitte gerade den job für jugendprävention suchen, einen antrag im bawü-landtag auf nicht-zensur von einschlägigen seiten stellen und dann auch noch seine mobilfunknummern in wirklich heißen kanälen rumstreunen lassen? also, nicht jeder politiker mag hochintelligent sein, aber nichts desto trotz gehört schon eine ordentliche portion verständnis dazu, solche posten zu bekleiden. sich dann so einfach aus dem verkehr ziehen zu lassen und dann auch so schnell die flinte ins korn zu werfen, noch dazu in einem super-wahl-jahr… das riecht irgendwie komisch!

    • 6. März 2009 18:36

      @Clemens:
      Ein bestimmter Punkt stimmt auch mich immer noch nachdenklich. Tauss gilt als ausgewiesener Kommunikationstechnologie-Experte, kennt sich mit Internet und dergleichen bestens aus. Wie sollte ein derart bewanderter Mensch so dumm sein, und so leichtfertig mit Handynummern u.ä. umgehen? Hätte Tauss nicht viel eher wissen müssen, wie [falls er es denn getan hat (Urteile sind noch nicht gesprochen)] man seine – wie auch immer geartete – digitale Spur effektiv verwischt?

      Dem momentanen Stand der Ermittlungen nach, müssen wir aber anscheinend davon ausgehen, dass Herr Tauss schlicht zu doof war und tatsächlich entsprechendes Material genutzt und verbreitet hat. Vielleicht fühlte er sich auf seinem Posten ausgerechnet besonders sicher.

  2. Clemens permalink
    6. März 2009 18:46

    die möglichkeit habe ich auch schon in betracht gezogen. aber wie du schon sagst, wäre es mit seinem kenntnisstand einfach nur super dumm. ich kann mich aber an den fall vor etwa fünf, sechs jahren in freiburg erinnern, bei dem der leiter der aservatenkammer hops genommen wurde, da er im großen stil mit drogen gehandelt hatte. bei den prozessen ist schlicht weg immer die hälfte von dem zeugs als beschlagnahmt angegeben worden, wie die angeklagten angegeben hatten, bei sich zu haben, so kams dann raus. hier wäre die parallele mit „studienbedingten materialien zur szeneforschung auf dem schreibtisch und im handy“ zu sehen. wäre aber im internationalen vergleich nicht das erste mal, dass ein mensch versucht sich durch immunität vor der strafverfolgung zu schützen, oder herr berlusconi?

  3. Atomino2000 permalink
    10. März 2009 16:11

    Wie kommt die Meute wieder runter, sollte sich die Erhärtung im Nachhinein als Irrtum herausstellen?

    Ächtung als Kollateralschaden, aber natürlich im Sinne eines „gesunden Volkskörpers“?

    Manchmal glaube ich in diesen Tagen, ich bin sowas von im falschen Film.

    Zu allem Für und Wider ist eigentlich genug gesagt, aber trotzdem nochmal:

    Die Presse erfährt seit 5.März zeitnah recht detailliert neue Ermittlungsergebnisse, diese werden aber in solch schwammigen Begriffen, wie „einschlägiges Material“ und DVD,SMS, MMS verpackt, ohne so genau zu werden, dass man sich tatsächlich ein Bild machen kann. Teilweise werden Tatsachen widersprüchlich wiedergegeben, so soll einmal Tauss eine MMS an den Bremerhavener gesendet haben, andere Quellen berichten, es sei nur von dort aus an Tauss etwas gesendet worden.

    Die Anzahl der Treffer auf gleich oder ähnlich lautende Informationen auf Google News lässt schon an eine konzertierte Aktion glauben.

    Der Beschuldigte wird offiziell am 11.März mit den Einzelheiten konfrontiert. Die Medienöffentlichkeit verlangt von ihm, er soll sich erklären, ohne dass er tatsächlich die gegen ihn erhobenen Vorwürfe detailliert kennt.

    Wenn hier demnächst Klarheit entstehen sollte und es stellt sich dabei heraus, dass Art, Menge und Qualität des gefundenen Materials nicht zu einem, wie oben benannt „pädo“ passen, dann sollten die Architekten einer Rehabilitierung wohl übermenschliche Kräfte haben.

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