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Wird Guttenberg der neue CDU-Joker?

14. Juni 2009

Guttenberg

Karl-Theodor zu Guttenbergs Weg an eine der Führungsspitzen der Regierung war keineswegs gerade. Sein kometenhafter Aufstieg erfolgte auf dem Rücken einer ganzen Reihe von CSU-Akteuren, die politisch versagt haben oder Zankereien zum Opfer gefallen waren. Zuletzt war es Seehofer, der Guttenberg als Wirtschaftsminister in der Regierung installierte. Damals war unklar ob als Notnagel oder Ass im Ärmel.

Der oberfränkische Jurist war keine selbstverständliche Wahl. Abgesehen von seinem sicheren Auftreten, dem für Politikerverhältnisse guten Aussehen und dem wertkonservativen Selbstverständnis eignete sich ein gelhaariger Adliger mit außenpolitischen Ambitionen vermeintlich schlecht als Wirtschaftsminister. Der Posten genießt regierungsintern kein besonders hohes Ansehen und wird regelmäßig durch andere Politressorts (Finanzministerium, Bundesministerium für Arbeit und Soziales) in ihrer Machtausübung beschnitten. Erschwerend kommt hinzu, dass nach dem Abtreten von Michael Glos und der Aussicht, den Posten für maximal sieben Monate (Amtsniederlegung Glos‘ bis zur Bundestagswahl im September) neu besetzen zu müssen, die Ernennung als Bundesminister für Wirtschaft und Technologie sicherlich keine Wunschberufung für Guttenberg war. Wie bereits erwähnt verfügt er über profunde Kenntnisse bzw. fachliches Können im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik. Wirtschaft war dementsprechend nicht sein Steckenpferd. Und den Job dann auch noch im Krisenjahr 2009?

Die zunächst schwierige Personal-Konstellation scheint sich jedoch zum Glücksgriff für die CDU und zum persönlichen Sprungbrett für Guttenberg zu entwickeln. Der Freiherr macht einen guten Job, erwirbt sich zusehends den Nimbus des Krisenmanagers und wird dadurch im Land immer populärer. Für die visionsfreie und politisch leider relativ rückratlose Angela Merkel wird Guttenberg damit zum Wahl-Joker.

Der politische Gegner ist bereits seit längerem in der Wahlkampf-Schockstarre. Mit Merkel hätte Frank-Walter Steinmeier einen bekannten und relativ berechenbaren Gegner gehabt. Mit dem wirtschaftskompetenten Guttenberg sieht sich die SPD einem Gegner gegenüber, der die klassischen CDU-Pfründe erfolgreich neu besetzt. Ein wahlkampftaktischer Direktangriff auf den Oberfranken wäre jedoch äußerst unklug, würde er aufs Neue beweisen, wie hilflos die SPD im Strudel der Plan- und Ziellosigkeit steckt und wie wenig sie mit eigenen Erfolgen aufzutrumpfen vermag. Zuletzt hat die SPD-Kampagne zur Europawahl bewiesen, wie wenig das Wahlvolk von der Strategie hält, die eigene Schwäche durch vermeintliche Verfehlungen des politischen Gegners zu kaschieren. Der Wähler möchte schließlich ein Programm wählen und nicht gegen eins.

Vor allem möchte der Wähler aber wieder Führungsstärke. In Zeiten wirtschaftlicher Unebenheiten ist das nur all zu verständlich. In diesem Sinne ist das Phänomen Guttenberg ein echter Joker für die CDU, aber besonders für Angela Merken. „KT“ (so nennen ihn wohl Freunde) gibt der CDU das zurück, was die Wähler unter Merkel lange vermisst haben: Eine klare Linie. Merkel täte dementsprechend gut daran, den Senkrechtstarter eng in den Wahlkampf zu integrieren. Als Dank wird Guttenberg, bei erfolgreicher Wahl im September mit Sicherheit den Chefposten im Auswärtigen Amt erhalten.

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