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Die unglaubliche Geschichte von Arash Hedschasi und Paulo Coelho

26. Juni 2009

pauloarashneda

Am vergangenen Samstag starb Neda Agha-Soltan. Sie wurde von einem Angehörigen der berüchtigten und regierungsunterstellten Basij-Miliz während einer Demonstration in Teheran erschossen.  Das Video ihres Todes, der so schnell eintrat, dass man schlicht nicht von einem Todeskampf sprechen kann, ging um die Welt und das fürchterliche Geschehen im Iran erhielt eine neue Qualität der Gewalt. Neda wurde zur Märtyrerin erklärt und ihr Bild von da an als grimmiges Mahnmal der Unzufriedenen im Iran trotzig vorangetragen.

Das Video, welches ihren Tod zeigt, ist an Drastik kaum zu überbieten. Millionen von Menschen in der Welt haben es trotzdem angesehen.* Einer von ihnen war der berühmte brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho. Als er den wenige Minuten langen Film unter Tränen ansah, fiel ihm auf, dass er einen der Helfer, der sofort versuchte Neda wiederzubeleben, persönlich kannte. Coelho konnte es kaum glauben. Er erkannte seinen Freund Arash Hedschasi, der als Autor und Mediziner mit seiner Familie in England lebt.

neda

Schnell wurde Coelho bewusst, dass die Involvierung seines Freundes in dem Video, welches als Gegenpropaganda gegen das iranische Regime bereits Stunden nach der Filmaufnahme die stärkste Waffe war, eine deutlich drohende Gefahr darstellte. Coelho zögerte nicht und rief seinen Freund auf dem Mobiltelefon an. Als sich dort ein Fremder meldete, der sich als CNN-Korrespondent ausgab, wurde er stutzig. Coelho schrieb eine E-Mail, in der er Hedschasi bat, sich durch Erlebnisse in einer gemeinsam verbrachten Sylvesternacht im Jahr 2001 zu identifizieren:

Monday 22 17:46
Dear Arash
so far, no news from you. After I published the video in my blog, it seems that it spread worldwide, including posts in NY Times, Guardian, National Review, etc.
Therefore, my main concern now is about you. You NEED to answer this email, saying that you are all right
and
the name of the person where we spend the New Year’s Eve in 2001 together, just to be sure that it is you really who is answering this email. I don’t buy this CNN person answering your mobile.
If you don’t do that, I may leak your name to the press, in order to protect you – visibility is the only protection at this point. I know this because I am a former prisoner of conscience.
If you do that, unless instructed otherwise by you, I will stop the pressure for the moment. My main concern now is you and your family.
love
Paulo
P.S. – there are several trusted friends in blind copy here.

Nachdem Coelho eine positive und zufriedenstellende Antwort von Hedschasi erhalten hatte, in der der Iraner angab, von keinem CNN-Korrespondenten zu wissen, schrieb Hedschasi folgende beunruhigende Zeilen:

Sent: Tuesday, June 23, 2009 1:37 AM

Dearest Paulo,
Trying to leave the country tomorrow morning. If I don’t arrive in London at 2 pm., something has happened to me. Till then, wait.
My wife and my son are in (edited). Their phone (edited) Her email (edited)
Please wait till tomorrow. If something happens to me, please take care of (name of wife) and (name of son), they are there, alone, and have no one else in the world.
Much love, it was an honor having you as a friend.
Arash

Am vergangenen Mittwoch (24.6.) konnte Coelho dann Entwarnung geben. Hedschasi war sicher und wohlbehalten in London gelandet. Die ganze Geschichte und den Mailverkehr hat Coelho in seinem (sowieso lesenswerten) Weblog gepostet: Paulocoelhoblog

Der Mediziner hat dem britischen Nachrichtensender inzwischen ein Interview gegeben, was hier zu sehen ist:

Vodpod videos no longer available.

*Wer sucht, der findet (Youtube/Google). Ich werde hier aber keinen Link dazu posten. Es ist einfach zu schrecklich anzusehen.

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One Comment leave one →
  1. 4. Januar 2010 13:36

    Hi Kaspar,

    wir werden das Thema in Kürze bei einer Ausstellung in Holland aufgreifen. Hier eine Arbeit dazu:

    http://www.spursuche.de/2009/07/20/her-name-was-neda-teil-1/

    lg

    Michael

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