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Das Hamburger Pixi-Buch-Skändalchen

6. September 2009

Jedes Sommerloch braucht etwas, mit dem es gefüllt werden kann – und ist das Füllmaterial noch so fad. Der diesjährige Sommer liefert uns eine wundervolle Skandalgeschichte, wie sie sich ein Sketcheschreiber besser nicht hätte ausdenken können.

Kurz vor Beginn der heissen Wahlkampfphase springen auch die hintersten Personalreihen der Politik aus ihren Amtsstubenlöchern und schwingen, für die Medien gut sichtbar, ihre ideologischen Fahnen. Egal ob es sich dabei um Themen wie Arbeitslosigkeit, Löhne, Rente, Bildung oder Steuern handelt, die Hinterbänkler blasen die kleinkarierte Themen-Mücke zum medialen Elefanten auf. Man will ja schließlich was zu sagen haben.

Ein besonders gutes Beispiel für einen solchen Kommunalpolitikerfeldzug liefert folgender Beitrag auf Spiegel TV. In den Hauptfiguren: Eine Schulbroschüre, der Kampf für Gleichheit und Gerechtigkeit und zwei ziemlich argumentenbefreite Lokalpolitikerinnen.

Diesen Spiegel-TV-Beitrag zu kommentieren, fällt nicht unbedingt leicht; behandelt er doch ein vollkommen hahnebüchenes Problem, welches aber seinen Ursprung in einer sehr alten und wichtigen Debatte findet: Dem Umgang des Staates mit Diskriminierung und der allgemein gültigen Definition davon. Was ist Diskriminierung und was nicht? Wo fängt sie an und wann ist ein Vorwurf zu Vergehen schlichte Politiker-Populismusübertreibung und Anstellerei?

Was uns Frau Artus und Frau Güclu in dem Beitrag von Gleichheit sowie vermeintlichem Rassismus und Sexismus erzählen ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Dass sich hier zwei Hinterbänkler“INNEN“ mit einem Thema profilieren wollen ist ja nach oben erwähnter typischer Arbeitsweise verständlich. Und es ist auch notwendig über Gleichstellung zu sprechen und sie in die Tat umzusetzen. Aber sich dabei auf eine pickelig-kleine Broschüre des Hamburger Senats zu versteifen, bedeutet mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Das Thema hält einen bedeutend größeren Vorrat an Munition bereit als hier überhaupt jemals notwendig ist. Die Form der Argumentation von den beiden Damen ist dabei aber so unglaublich unprofessionell, dass mir – als Hamburger – ganz schlecht bei dem Gedanken wird, wen meine Mitbürger da so in das Rathaus wählen.

Artus über die Tatsache, dass zuwenig Mädchen in der Broschüre abgebildet sind und die „Unglaublichkeit“, wie der Zeichner sie in der zweiten Auflage darstellen will: „Sie soll Zöpfe kriegen, aber nicht alle Mädchen haben Zöpfe. Auch Kinder mit kurzen Haaren sind Mädchen.“

Wie unwichtig ist das denn bitte? Da zahle ich Steuern, damit sich Frau Artus mit so einem Quatsch beschäftigt. Glaubt Sie wirklich, dass sich die Zukunft unserer Gesellschaft hinsichtlich der Gleichstellung von Mann und Frau an der Haareslänge in einer Broschüre scheidet?

Gottseidank ist das Sommerloch vorbei und wir können uns wieder den wichtigeren Dingen widmen, wie der Bundestagswahl zum Beispiel.

3 Kommentare leave one →
  1. 8. September 2009 22:56

    top!

  2. Boris permalink
    9. September 2009 22:57

    Unfassbar!

Trackbacks

  1. Bildungsplan unter der Ideologie des Regenbogens? | Mein Senf

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