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Wissenschaftspublikationen zum Einschlafen

21. Oktober 2009
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Jedem wohlgelittenen Student ist es sicher schon einmal passiert: Man ist schlicht und einfach über einem Lehrbuch eingeschlafen, das ungefähr so spannend zu lesen war, wie 10 Meter Feldweg. Sicher, fachliche Texte haben ihre Längen. Sie erfüllen aber im Regelfall ihren Auftrag und informieren den Leser über einen relevanten Sachverhalt. Trotdem muss ein Buch und vor allem sein(e) Autor(en) dem Leser einen Anreiz geben, das Buch auch lesen zu wollen. Viel zu häufig sind aber bereits die Titel dieser Publikationen (wir sprechen hier selbstverständlich auch von Fachartikeln) zum Gähnen, bzw. so sperrig, dass man schon mit der Lektüre auf den Buchdeckeln sprachlich überfordert ist. Oft stehen zwar wissenschaftliche Konventionen und Eitelkeit dahinter, häufiger aber fehlende Kreativität und die Furcht, nicht ernst genommen zu werden.

Ein Klassiker unter den langweiligen Titeln ist:

Sozialstaat im Wandel – Herausforderungen, Risiken, Chancen, neue Verantwortung“

Da steckt alles mit drin:

„im Wandel“ –  Gerne auch: „Sozialstaat heute“ oder „Veränderte Rahmenbedingungen im Sozialstaat“. Die Standardbeschreibungen für eine wissenschaftliche Beobachtung über Zeit.

„Risiken, Chancen“ – Die Standardfloskel, um wissenschaftlich-thematische Abwägungen – auch in die Zukunft hinein – aufzuzeigen (klassischer „Pro und Contra-Matsch“).

„Herausforderungen“ – Eine weitere Standardformulierung, die zeigen soll, dass der Autor genau weiss, was nicht oder schlecht funktioniert (in diesem Fall der Sozialstaat).

Die oben genannten Formulierungen sind dermaßen abgeschmackt, dass man wirklich keine Lust hat, den Wälzer herzunehmen und ihn auch noch zu lesen. Das ginge auch kreativer, ohne den Seriositätsanspruch zu verlieren. Der Titel hätte dann auch heißen können: „Sorgenkind Sozialstaat – Probleme damals und heute und warum es morgen auch anders geht“.

Zwar wurden diese formaldeutschen Beschreibungen in letzter Zeit stark durch (tlw. noch grausigere) Anglizismen abgelöst, jedoch scheint das Titellangeweileproblem noch lange nicht aus der Welt zu sein.

Dieser hier ist sicher nicht langweilig, dafür aber schmerzlich skurril und anglizismuslastig sperrig:

„Über Cyberspaces und Cyberscapes im Kontext einer universellen Rastafari-Philosophie“ (Link)

Das Titel aber nicht zu locker formuliert werden sollten, zeigt dieses Beispiel:

Local Pancake Defeats Axis of Evil“ (Link)

Für die Zukunft hoffe ich auf ein wenig mehr Genius und Mut beim Zusammendichten von Publikationstiteln – aber bitte nicht all zu viel (siehe Pancakes).

[Danke an Sebastian]

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