Skip to content

Being a Dickhead’s cool!

13. September 2010

Um es gleich vorwegzunehmen: DIESES VIDEO WAR DRINGEND ÜBERFÄLLIG!
Und der Titel sagt es extrem pointiert: „Being a Dickhead’s cool!“

Wer noch eine Erklärung braucht, liest hier bitte weiter:

Wer (wie ich) in Berlin lebt, wird gezwungenermaßen ständig mit ihm konfrontiert: Dem homo hipsterus, dem karottenbehosten, fensterglasbrilletragenden, jutebeutel-schleppenden, 80er-Jahre-frisierten Großsstadt-Szene-Nerd – in Blog-Sprech auch gerne Hipster genannt. Dieser ..umm.. Trend ist meiner Meinung nach an Unnötigkeit kaum zu überbieten. Das liegt zunächst daran, dass Hipster nie wirklich etwas Neues geschaffen oder entdeckt haben, sondern lediglich absolute Profis im „Recyceln“ von alten Trends sind. Brauchen wir Beispiele? Warum nicht:

Waren große Hornbrillen in den späten 70er und frühen 80ern hip? Spitzenmäßig. Wird wieder aufgewärmt. Trug die Londoner Punkbewegung Karottenhosen in schwarz? Genial. Wird aufgebrüht. Unterstrich man in den Neunzigern mit dem Tragen eines Jutebeutels die korrekte Einstellung zu den ökologisch-gesellschaftlichen Fragen seiner Zeit? Top! Wird aus der Schublade gekramt. War das Karohemd die Insignie der Grunge-Bewegung und Pflichkleidungsstück auf jedem Pearl Jam Konzert? Granate! Besorgen wir beim Second-Hand-Shop in Kreuzberg.  War es in den Nuller-Jahren wichtig, auf den Gästelisten der guten Parties zu stehen? Bestens! Machen wir ein chronologisches „+1“.

Aber bei der Kleidung und den Parties ist noch lange nicht Schluß. Richtig interessant wird es erst bei der Auswahl der Jobs. Hier passt sich der Hipster gekonnt den Gegebenheiten der modernen Informationstechnologiezeit an und baut auf die Nicht-Businessmodelle des Web 2.0: Es wird gebloggt (Mist, das tue ich ja gerade auch – Anm. d. Verf.), getwittert und vermarktet – jedoch zum größten Teil das eigene Ego. Dass dabei Geld rumkommt, ist zunächst nicht so wichtig. Das finanzielle Backup der Eltern reicht zumeist für die selbstgedrehten Kippen und die schlampigen T-Shirts, für das obligatorische MacBook und das iPhone (mit Kunst-im-öffentlichen-Raum-Applications) – quasi die Statussicherungs-Tools der Hipster-Welt. Aber auch Modeläden, Taco/Burrito/Vegan-Food/Otternasen/Wachtelei-Stores und 5-Quadratmeter Coffee-Bars gehören zu den angepeilten Start-Up- und Betätigungsfeldern des Hipsters.

Dass die Spezies wohl noch ein wenig unter uns bleiben wird, halte ich für ausgemacht. So leicht sie in ihren Grundzügen zu beschreiben ist, so wandelbar und unverbindlich ist sie in ihrem Auftreten. Obwohl sie sich nicht neu erfindet, verändert sie sich stetig – wenn auch meist nur äußerlich. Aus dem Vegan-Food-Tick wird der Frutarier-Tick, aus der Hornbrille mit Fensterglas wird die Raver-Loveparade-Brille (blaues Glas).  Das wird dazu führen, dass sie noch ein bisschen die Großsstädte der westlichen Welt bevölkern werden, bevor endlich mal wieder eine anständige Jugendbewegung bei uns aufschlägt.

[Danke an Fidi für den Link]

No comments yet

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: