[Direkt New York Times]
[Danke an Vanessa]
Nachtrag 4.11.09 /12:54 Uhr: Die NYT-Redaktion hat die entsprechende Textstelle inzwischen geändert.

Hollywood markiert in unserer westlichen Wahrnehmung den Ort, an dem Träume produziert werden. Ein Ort, an dem Geschichten erzählt und Mythen gemacht werden. Mit einem geschätzten Output von 500 Filmen pro Jahr liegt das amerikanische Film-Mekka aber weit hinter dem indischen Bollywood. Aber das kennt ja jeder. Und nicht nur in USA oder Indien werden Träume gemacht. Es gibt weltweit eine klare Nummer Drei in der Rangliste der größten Filmproduktionsländer: Das so genannte afrikanische Pendant zu Bollywood. Es wird mit Bezug auf das Produktionsland Nigeria einfach „Nollywood“ genannt und hat einen ähnlich hohen Output wie die indische Industrie (ca. 500 bis 1000 Filme pro Jahr) – jedoch mit dem Unterschied, dass dort noch in sieben Tagen gecastet, gedreht, postproduziert und verbreitet wird, war in der quasi professionalisierten indischen Filmindustrie nicht mehr der Fall ist. Die Filmbedingungen in Nigeria würden einen westlichen Filmemacher jedenfalls schaudern lassen.

Der südafrikanische Fotograf Pieter Hugo hat sich auf die Suche begeben und eine fantastische Fotoserie über die Darsteller geschossen. Die Fotos entwickeln eine zusätzliche Kraft, wenn man sich vergegenwärtigt, dass das Geschichtenerzählen in Afrika eine uralte Tradition und daher von einer ungeahnten Kreativität geprägt ist.
An Erzählstoff mangelt es den Filmemachern dementsprechend nicht. Es sind eher die finanziellen Mittel, die dem Dreh Grenzen setzen. Aber das ist auch ein Grund, warum diese Fotoserie so besonders geworden ist: sie zeigt den naiven schöpferischen Willen der Filmemacher kombiniert mit dem Druck, schnell produzieren zu müssen, was der Umsetzung etwas in unseren Augen leicht Lächerliches verleiht.
Die Serie erinnert mich stark daran, wie meine Freunde und ich als 14-Jährige mit der Home-Videokamera meiner Eltern Filme gemacht haben. Alles war erlaubt und jede Verkleidung denkbar, solange die Geschichte spannend war. Schließlich wollten wir unterhalten (auch wenn wir uns nicht als Black Jesus oder Nackt-Darth-Vader verkleidet haben).


Alle Fotos aus der Serie hier auf der Portfolio-Page von Pieter Hugo.


Download bei French Express
[Hinweis: Der in diesem Post eingebundene Audiolink (Youtube) enthält eine fälschlicherweise runtergepitchte Aufnahme. Daher bei Interesse die richtige Variante von French Express runterladen.]
Darf ich vorstellen: „The Horribly Slow Murderer with the Extremely Inefficient Weapon“
von Richard Gale
Ich habe noch nie in meinem ganzen Leben etwas so wahnwitzig Sinnloses gesehen. Diesesr Kurzfilm ist einfach absolute Weltklasse. Ich liebe Dinge, die völlig „pointless“ sind.
HINWEIS: Dieses Video ist recht blutig und daher nicht für den Abruf im Büro geeignet.
Lamentierende Elefanten bei der Münchner Medien-Elefantenrunde. Burda und Markwort ohne Lust und Perspektive. Das zu sehen ist traurig!

[by Loveallthis / via Spreeblick]

„Pseudo Documentation, is a series of large-scale photographs depicting grandiose installations in fantasy exhibition spaces. DiMichele creates this work by first building scale models of exhibition spaces, and producing original artworks in drawing, painting and sculpture mediums, which are sited in the spaces and then photographed to create the final works. The Pseudo Documentation photographs are inspired by DiMichele’s background with photography, installation art, abstract forms and passion for monumental museum and gallery architecture combined to create this photographic series of work.“ (via Kopeikingallery.com)


Mehr Info unter Kopeikingallery.com

„The Greedy Twins“

Alles Überflüssige muss raus, nur das Wesentliche bleibt. Den Soundtrack dazu stellen The xx aus dem Südwesten Londons. Die vier 19-Jährigen minimieren ihren Sound überall dort, wo ein „Mehr“ eigentlich ein „Weniger“ wäre. Tracks wie Crystallized oder Basic Space sind eine hypnotische Mischung aus Kontemplation, Alkohol-Kater, Nachdenklichkeit und Schmerz. Dabei sind die Beats treibend und die Melodien eingängig. In Zeiten von Bombast-Elektro und Krachbumm-Indie klingen the xx merkwürdig unzeitgemäß. Aber das ist ja auch das Gute an ihrer Musik. Sie bedient kontemporäre Hörerwartungen (typische 80’s-Matschepampe, The Cure-Gitarren, etc.) und ist dann doch anders und eigenwillig.
Man ist durch viele ähnliche Projekte der letzten Zeit sehr an den instrumentellen Klangteppich der Achtziger gewöhnt worden und beginnt the xx mit gewisser Langeweile zu hören. Doch schon bald wird offensichtlich, dass hier bewusst Abstand zu modischen Trends genommen wird. The xx wollen nicht durch Lautstärke oder musikalische Knalleffekte überzeugen sondern lieber mit intelligent sperrigem Pop einen Gegentrend setzen. Viele werden dabei das Wort Entschleunigung aus der Mottenkiste kramen, ich würde the xx lieber EntHYPEung nennen.
Auf Laut.de gibt es eine aufschlussreiche Kritik über das Debutalbum „XX„.
Hier das Low-Budget-Video zu „Crystalized“
Es ist eine köstliche Notiz am Rande: Die von mir sehr verehrte Stararchitektin Zaha Hadid hat es sich nicht nehmen lassen, nebst Errichtung des weltweit gefeierten Werkfeuerwehrsgebäudes im Vitra-Produktionskomplex in Weilheim am Rhein, auch einen Würstchengrill zu bauen. Versteckt hinter dem 1993 errichteten Hadid-Bau und für den Vitra-Design-Museumsbesucher recht unauffällig platziert, ist dieses abgebildete Kleinod tatsächlich als Grilleinheit gedacht.

… „it was more important.
Pain more painful, laughter much louder, yeah.
When I was young.“

Münstertal bei Freiburg, 24.10.09

Die Sache mit dem Business-Bullshit ist schon recht alt. Bereits 1994 geisterten erste Versionen des Spiels durch die Gänge multinationaler Konzerne und eroberten die Konferenztische der (Marketing-)Welt. Das Spiel geht so: Vor Beginn einer Konferenz schreibt man gängige Business-Phrasen auf eine Bingo-Karte, die während der Sitzung durchgestrichen werden, falls sie genannt werden. Ist die Liste komplett, steht man auf und brüllt laut „Bullshit“. So einfach ist das.
Ist das Langeweile oder der Humor gestresster Manager? Weder noch:Bullshit-Bingo ist eine eindeutige Reaktion auf die Tatsache, dass mit immer mehr Wörtern sprichwörtlich immer weniger gesagt wird. Strategien und Konzepte werden mit inhaltsleeren Worthülsen zu linguistischen Bombardements aufgeblasen und Manager hoffen somit zu überdecken, dass sie gar nicht so viel zu erzählen haben. Bei der Lektüre von Artikeln, Präsentationen oder in Erinnerung an Gespräche habe ich folgende Liste (völlig wahllos) zusammengestellt. Wer noch welche hinzufügen möchte, kann dies gerne in den Kommentaren zu diesem Artikel tun (oben links auf kommentieren klicken).
- Nachhaltig
- Performant
- Roadmap
- auf breiter Front
- Key Performance Indicator
- Teambildung
- Exposure
- Result-driven
- Eskalieren
- Einphasen
- Volatil
- Minderperformant
- Leistung abrufen
- Umsetzungsorientiert
- Innovativ
- Best practice
- Proaktiv
- Effizienzsteigerung
- Maßgeschneidert
- Stellhebel
- Anpassung der Fixkostenstruktur
- Aufgleisen (mehr darüber lesen bei the European)
- Ein Stück weit (mehr darüber lesen bei the European)
- Am Ende des Tages (mehr darüber lesen bei the European)
- kreative Challenge (mehr darüber lesen bei the European)
[Comic von Dilbert; Danke an Henrik für zusätzliche Inspiration]

